Saatgut  Tauschen & Vielfalt Bewahren

Saatguttauschbörse

Saatguttausch von alten Nutzpflanzensorten

Jedes Jahr im späten Winter oder Frühjahr ist es wieder soweit. Man fragt sich was man in der kommenden Saison alles im Garten anbauen möchte und durchstöbert das Saatgut. Ich habe eine große Saatgut "Schatzkiste" wie ich sie nenne wo ich alles sammle und aufbewahre. In meinem Artikel über samenfestes Saatgut habe ich euch bereits einige Anbieter für biologisches, nachbaufähiges Saatgut vorgestellt. Jetzt geht es nocheinmal tiefgründiger um die Vereine die sich hauptsächlich den alten Erhaltersorten, die sonst fast nicht am Markt erhältlich sind, widmen.

Früher zu unserer Großelterns Zeiten war es üblich sich jedes Jahr seinen eigenen Samen im Garten oder die Bauern auf dem Feld zurück zubehalten um ihn im nächsten Jahr wieder auszubringen. So entwickelte sich in den verschiedenen Regionen und Teilen der Welt eine riesige Vielfalt an Nutzpflanzensorten, die alle angepasst an die Umweltbedingungen der unterschiedlichen Gebiete waren. Die Bauern tauschten sich auch aus wenn mal etwas knapp wurde und selektierten nach Gesundheit und Geschmack der Pflanzen und ihrer Früchte.

 

Heutzutage ist zumindest Hierzulande diese Tradition der Saatgutvermehrung abhanden gekommen und es gibt nur noch sehr wenige Gärtner und Bauern die ihr eigenes Saatgut nehmen. Viele Vertrauen den Saatgutkonzernen und kaufen ihr Saatgut jedes Jahr aufs Neue ein. Das hat zur Folge, dass mittlerweile rund 80 bis 90% der gesamten Nutzpflanzenvielfalt die es einmal gab ausgestorben sind. Das ist tragisch wenn man sich überlegt, dass wir diesen genetischen Reichtum nun nicht mehr verfügbar haben und die Verantwortung für unser Saatgut und damit unsere Nahrungsgrundlage immer mehr abgeben.

 

Es ist an der Zeit diese Verantwortung wieder in unsere Hände zu nehmen und unser eigenes Saatgut zu kultivieren. Das hat so viele Vorteile. Wenn wir unser eigenes Saatgut nachbauen machen wir uns unabhängig und sparen das Geld für den jährliche Saatgutkauf. Außerdem erreichen wir, dass sich die Pflanzen über mehrere Generationen an die Bedingungen in unserem Garten anpassen. Sie werden robuster und krankheitsresistenter und gedeihen sehr viel besser in unseren Gärten oder auf den Feldern. Wir können die Früchte selbst selektieren und nur die leckersten und gesündesten Sorten weiter kultivieren.

 

Aber wo bekommt man nun diese alten, nachbaufähigen Sorten her? Diese Frage hat mich zu den verschiedenen Vereinen zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt geführt und zu der Tauschbörse von der ich euch gern berichten möchte.

Da ich noch Bedarf an Mais und Möhrensamen hatte, haben wir uns aufgemacht um solch eine Saatguttauschbörse zu besuchen. Dort kann man aktiv einen Stand mit eigenem Saatgut aufstellen oder einfach ein paar Samentütchen vom eigenen Saatgut zusammenpacken und gegen anderes tauschen. Wenn man kein eigenes Saatgut aus dem letzten Jahr gewonnen hat, so kann man auch Saatgut gegen eine kleine Spende erhalten.

Auf der Saatguttauschbörse angekommen war ich sehr überrascht über die Vielfalt der angebotenen Sorten, die es im Handel nicht gibt. Vorallem sehr viele kunterbunte Tomatensorten haben mich fasziniert. Black Cherry, Old German, Ananastomate, Andenhorn, Geen Zebra und viele, viele mehr. Auch altes, schon fast in Vergessenheit geratenes Gemüse wie die Haferwurzel oder die Steckrübe gab es zum Tausch. Es ist ein kleines Paradies für den Gärtner und ich kann euch nur wärmstens einen Besuch bei einer Tauschbörse oder einem Saatgutfestival empfehlen.

 

Ein kleines Highlight war der Vortrag über ein ganz spezielles Gartenkonzept. Unter dem Motte "Gib Natur ein Zu Hause" wurde der Drei Zonen Garten von Markus Gastl vorgestellt. Sein Gartenkonzept zeichnet sich besonders durch Vielfalt und Artenschutz aus.

Adressen für Saatguttauschbörsen - und Festivals

Für uns hat sich der kleine Ausflug gelohnt. Wir haben einige Blumensamen einer orangen Cosmea, Mädchenauge und einer mexikanischen Sonnenblume mitgebracht. Außerdem bin ich sehr glücklich über den Mais. Nun haben wir einen roten, ungarischen Zuckermais, Cukrova Cerveny, einen bunten Mehlmais, Painted Mountain und einen gelben Popcornmais. Außerdem habe ich noch Winterheckenzwiebelsamen und Teefenchel mitgenommen. 

Ihr Lieben, ich kann nur sagen, es lohnt sich und viel Spaß auf eurer nächsten Saatguttauschbörse!

Video zum Besuch der Saatguttauschbörse VEN


Meine Empfehlungen


Dieses Buch liegt schon seit einiger Zeit auf meinem Schreibtisch und wird jedes Jahr aufs Neue durchstöbert und durchforstet. Es beinhaltet nützliche Tipps und Methoden zur Saatgutgewinnung. Viele Sorten und unterschiedliche Pflanzen ob einjährig oder zweijährig werden genau beschrieben.  Vom Zeitpunkt der Saatgutentnahme bis zu möglichen Verkreuzungen mit anderen Sorten wird alles genau beschrieben. Tolles Buch für eure eigene Samen Gärtnerei.

Hier gehts zum Buch


Das permakulturelle Konzept des Drei Zonen Gartens ist besonders für diejenigen interessant, die sich mit dem Naturschutz und der Förderung der Vielfalt im Garten auseinandersetzen wollen. Besonders in der Hotspotzone, wie sie Markus Gastl nennt, finden viele Insekten Nektar und Behausung auf mageren, vielfältigen Blumenwiesen. Ich kann das Buch sehr empfehlen um ein Stück Natur und Vielfalt in den Garten zu bringen. Hier gehts zum Buch



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